Warum wir Versicherungen brauchen

Seit Anfang der Corona-Pandemie fahre ich viel häufiger mit dem Fahrrad in die Arbeit. Denn mich in Corona-Zeiten mit zig Menschen zur Hauptverkehrszeit in die Münchner U-Bahn zu quetschen, war aus meiner Sicht ein unüberschaubares Risiko. Wer weiß, ob nicht einer von den 100 Leuten um mich herum, die sich trotz Abstandsgebot dicht an dicht drängen, das Virus trägt?

Als Radfahrerin mache ich mir dafür über neue Risiken Gedanken, wenn ich in der trüben, dunklen Jahreszeit mit meinem schwarzen Regenmantel auf mein Fahrrad steige, bevor es richtig hell geworden ist. Mein Mann hat mir an meinen Helm noch liebevoll einen Reflektor hingebastelt, gegrinst und gesagt: „Sicherheit geht vor.“

Was ist überhaupt ein Risiko? Kurz gesagt ist ein Risiko immer eine Version der Zukunft, die nicht eintreten soll. Immer dann, wenn wir uns vermeintlichen Risiken aussetzen müssen, kommt das ur-menschliche Bedürfnis nach Sicherheit besonders stark hervor. Ich rede nicht von Risiken, die wir bewusst eingehen – wie Roulette spielen oder Bungee-Jumping – sondern eben von denen, die als Schreckgespenst potentiell hinter jeder Ecke lauern könnten.

Das Risiko, sich anzustecken. Das Risiko, morgens um 6:45 Uhr von einem Autofahrer übersehen zu werden. Menschen neigen dazu, die eigene Verletzbarkeit ganz ganz weit von sich weg zu schieben. Doch eigentlich wissen wir, dass wir eben nicht alle Versionen der Zukunft kontrollieren können und sehnen uns manchmal nach der absoluten Sicherheit, dass uns auch heute nichts aus der Bahn werfen wird.
“Was ist überhaupt ein Risiko? Kurz gesagt ist ein Risiko immer eine Version der Zukunft, die nicht eintreten soll.”

Das Gegenteil von Sicherheit oder eben Versicherung ist Verunsicherung. Ein Gefühl, dass uns ängstigen und lähmen kann. Deshalb wurden schon im Mittelalter Verbände gegründet, um das Risiko von Einzelnen auf mehrere Schultern zu verteilen und die Unsicherheit zu nehmen: die ersten Versicherungen auf Gegenseitigkeit. Damals waren es die Gilden und Zünfte, die ihren Mitgliedern Unterstützung im Fall von Krankheit, Viehsterben oder einem Brand versicherten. So war zumindest aus finanzieller Sicht sichergestellt, dass niemand im Ernstfall um seine Existenz bangen musste.

“Das Gegenteil von […] Versicherung ist Verunsicherung. Ein Gefühl, dass uns ängstigen und lähmen kann.”

Gerade die Angst, durch ein Feuer sein ganzes Hab und Gut zu verlieren, wurde im 17. Jahrhundert immer größer. Im Jahr 1666 zerstörte ein Brand, der über zehn Tage nicht gelöscht werden konnte, vier Fünftel der City of London. Zehn Jahre später wurde in Hamburg die erste Versicherung der Welt gegründet (die “General-Feuer-Cassa”), bei der sich auch alle Bürger versichern konnten.

Das waren die Ursprünge von Lebens- und Sachversicherungen, wie wir sie heute kennen: Das kollegiale Einzahlen aller in einen Topf, aus dem im Worst Case einzelne Geld entnehmen können, wenn das Risiko eben nicht abgewendet werden konnte. Dieses Prinzip nennen wir heute Solidarprinzip.

Man kann diese Historie noch weiterspinnen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung wohl von Piraten und die Haftpflichtversicherung wohl von den alten Ägyptern erfunden worden ist, aber das führt wohl zu weit. Was ich damit sagen will: Der Grundgedanke einer Versicherung spiegelt eines unserer ursprünglichsten Grundbedürfnisse wider. Das Gegenteil von Versicherung ist Ver-un-sicherung.

“Der Grundgedanke einer Versicherung spiegelt eines unserer ursprünglichsten Grundbedürfnisse wider. “

Versicherungen gibt es also schon sehr sehr lange, in verschiedensten Facetten und Formen. Und jeder Einzelne von uns ist sich auch bewusst, dass es ganz ohne Versicherungen einfach nicht geht. Wir brauchen sie immer dann, wenn das potentielle (finanzielle) Risiko so groß ist, dass es unsere Existenz bedrohen kann. Als Faustregel kann man sagen: Immer dann, wenn ich den Wert einer Sache nicht locker flockig aus dem Geldbeutel bezahlen könnte, sollte ich über eine Versicherung nachdenken. Ob das jetzt zwingend auf die Handyversicherung oder die Alien-Entführungs-Versicherung zutrifft (die gibt es in den USA wirklich!), sei einmal dahingestellt.

Es lohnt sich also wirklich, sich im ersten Schritt mit dem Wert aller Aspekte im eigenen Leben fünf Minuten lang auseinander zu setzen. Zum Beispiel liegt allein der Wert der eigenen Arbeitskraft in Deutschland im Schnitt bei 1,5 – 3 Mio. EUR, der Wert des Eigenheims je nach Lage vielleicht bei 300.000 EUR oder sogar 1 Mio. EUR (München lässt grüßen). Und die eigene Gesundheit ist einfach unbezahlbar, das wissen wir nicht erst seit 2020!

Auf diesem Weg bekommt man schon ein gutes Gespür dafür, welche Versicherungen grundsätzlich sinnvoll sein könnten und welche eher nachrangig sind. Und dann hilft es alles nichts, im nächsten Schritt muss man sich mit der eigenen Verletzlichkeit auseinandersetzen und die eigenen Risiken so gut es eben geht minimieren, zumindest aus finanzieller Sicht. Denn nicht nur im Straßenverkehr sondern auch überall sonst im Leben gilt: Sicherheit geht vor.

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Niko-Röhrle-Makler

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